Umwege.
Federleicht liegt die Zigarettenschachtel in der Hand. Die Verpackung auffällig gestaltet, doch trotz allem ist diese kleine Schachtel recht unscheinbar. Okay wir wissen was darin verborgen ist. Wir wissen alle, dass es ungesund ist. Doch das ist nur die Oberfläche auf der wir herumkratzen wie orientierungslose Maulwürfe. Nein ich rede nicht von den Zusatzstoffen und all den modernen alternativen die es jetzt dazu gibt. (die alle natürlich “gesünder” und günstiger sind.) Ratlos wirft er die Schachtel immer wieder in die Luft. Er bemerkt auf einmal, wie schwer diese Schachtel doch liegt. Nicht in physischer weise gesehen. Würde er die Schachtel auf eine Waage legen, würde die Waage das selbe Gewicht wie bei jeder anderen Schachtel dieser Marke anzeigen. Doch trotzdem steckt mehr darin. Ein Paket voller Entscheidungen und Konsequenzen. Komm schon! Nur einmal! Probiers doch mal! Ein unerwarteter Schub vollgepackt mit Aggression pulsiert durch seinen Körper. Nach einem lauten quietschen und knatschen liegt die Packung samt Inhalt zerdrückt in seiner Hand. Einzelne Tabakbrösel träufeln auf den Teppich. “Es bleibt niemals nur beim Ersten mal.” Knurrt er und wirft den Tabakschund in den Mülleimer.
In der Wohnung hängt eine Luft als hätte er die komplette Schachtel innerhalb von 360 Sekunden verdampft. Allein der Gedanke an das Kraut schnürt ihm den Hals zu. Raus auf die Veranda. Selbst die erdrückende Hitze draussen ist erträglicher als der gedankliche Smog, der sich drinnen ausgebreitet hat. Doch er schweift ab. Das ist nicht das, was er denken wollte. Nicht das, über das er NACHdenken wollte. Nicht das, was er seine Gedanken erzählen lassen wollte. Ein tiefer Atemzug. Nicht denken um ein Problem zu lösen. Nicht denken um eine Aufgabe richtig zu lösen oder korrekt zu antworten. Einfach nur denken um zu denken. Und so beginnt es:
“Wir alle gehen unseren Weg. Jeder auf seine Weise, in seinem Tempo, nach seinem persönlichen Zeitplan. Wir treffen ander Menschen auf dem Weg, Tavernen, Wälder, Berge. Eigentlich wie in einem richtigen Fantasy Roman. Wir erleben unsere Abenteuer doch sehen dies oft nicht. Doch darum geht es nicht. Es geht darum, dass wir den Weg gehen. Jajaja ‘Der Weg ist das Ziel’ wir alle wissen das, also geh weiter und lass uns in Ruhe. Zu einem bestimmten Zeitpunkt passiert jedem von uns folgendes: Wir haben ein gewisses Marschtempo, haben eine ungefähre Routine wann wir rasten, wann wir schlafen. Wir können in etwa einschätzen welche Entfernung wir zurücklegen werden, wenn wir so lange marschieren und so lange rasten. Wir sehen Leute, die auch in unsere Richtung gehen. Doch dann, eines Abends kommt uns jemand entgegen. Zuerst vermuten wir, er hat etwas auf dem Weg verloren, doch sein Rucksack ist fest geschnürrt und sein Blick ist fest und entschlossen, so wie der unsere. Als er uns jedoch erblickt, reagiert er genauso verwirrt wie wir. Er schüttelt den Kopf und geht weiter seines Weges. Einen Tag später sehen wir zwei Wanderer, die uns entgegen kommen. Ihr fröhlicher Plausch erstirbt, als sie uns entdecken. Erneut nur unverständliches Kopfschütteln von den beiden und schweigen. Wir machen uns Gedanken. Irgendetwas stimmt doch nicht. Mit jedem Tag nimmt die Anzahl derer, die uns entgegenkommen immer mehr zu. Ab und zu werden wir angesprochen, doch umzudrehen und ob wir nicht mit ihnen zusammen reisen wollen. Doch wir bleiben auf unserem Weg. Das Ganze wirkt unheimlich. Eines Tages müssen wir sogar einen Umweg durch den unübersichtlichen Wald nehmen, weil uns eine so riesige Menschenmenge entgegenkommt, dass wir uns nicht hindurchzwängen können. Ausserdem wäre die Scham zu groß. Abends sitzen wir am Lager. Total aufgelöst von dem Ereignis. Hilflos. Und jetzt kommen wir zum Kern. Zur Quintessenz. Wir alle gehen unseren Weg. Es ist nicht wichtig, ob unser Weg der richtige ist. ‘Recht haben ist nicht schwer, Recht bekommen umso mehr’. Wir können als einzelner noch so überzeugt von unserer Lebensphilosophie sein und noch so gute Argumente haben. Wenn eine Masse voller Idioten uns entgegenkommt und uns ihre Weisheiten aufzwingen will, gehen wir entweder mit ihnen oder um sie herum. Es geht nicht darum, auf dem Weg zu bleiben. Oder besser gesagt: Den Weg zu wissen, es geht darum, dass wir wissen wann wir lieber die Schleichwege nehmen und wann wir die Hauptstraße benutzen. Egal welche Umwege ihr gehen müsst: Geht sie! Ein Umweg ist auch ein Weg. Ein Umweg ist immer noch besser als der Weg zurück.

Oh ja, iwie hast du recht…..