Mit weit aufgerissenen Augen stehe ich da, sprachlos und starre auf die beiden Personen vor mir. Die eine vertraut wie fast keine andere. Hab ich doch so vieles aus meinem Leben mit Ihr geteilt. Haben wir uns doch mit der kompletten Gefühlspallette gegenseitig bombardiert, liebkost und gestreichelt. Nur ein wenig Jünger als ich. Äußerlich. Als ich das kleine Mädchen neben ihr erblicke, kommen mir die Tränen. Noch nie war es mir erlaubt, solch ein wunderhübsches Kind zu erblicken. Goldene wirre Löckchen kräuseln sich wild auf ihrem Kopf. Augen weich wie ein Daunenkissen. Ein Stupsnäschen, das auf dem bezaubernden Gesicht wie die Kirsche auf dem Sahnehäubchen sitzt. Nicht zu auffällig, doch nicht zu übersehen. „Na los. Geh zu ihm.“ Flüstert die Große der Kleinen ermutigend ins Ohr. Mit einem ebenso fasziniertem Gesichtsausdruck, wie der meine schreitet sie langsam, doch sicher mir entgegen. Meine Füße versagen mir den Dienst und ich muss mich hinknien um nicht umzufallen. Ich spüre die Nässe der Tränen auf meiner Wange nicht, die mir entgleiten als ich meine Hand nach dem kleinen Engel vor mir ausstrecke und ihr sanft über die Wange streiche. Sie beginnt zu lächeln, als ich sie berühre, schliesst die Augen, legt ihr kleines Händchen auf die meine und reibt ihrem Kopf an meiner Hand. Dann öffnet sie die Augen, fällt mir um den Hals um mir einen Kuss auf die Wange zu drücken. Danach flüstert sie mir ins Ohr: „Hallo Papi.“ Eine Welle des Glücks durchfährt mich und es ist vorbei. Die Tränen brechen in Fluten aus mir heraus und bahnen sich ihren Weg nach unten. In dem Moment erkannte ich, dass es um mich geschehen war. Ich habe mein Glück gefundne. Meinen Engel. Ich wusste sofort, als ich ihr in die Augen sah, dass ich alles für dieses kleine Wesen tun werde. Alles.

Noch war es nur ein Traum.

Noch.

Ein klein wenig noch.

Dann ist es soweit.

Dann bin ich für dich da.

Mein kleiner Engel.

Warte noch ein wenig auf mich.

Ja?

Ich Liebe Dich.

Siehst du. Was hast du denn? Du wolltest mir immer helfen. Wolltest dass ich dir vertraue. Und jetzt hast du mich mit einer einzigen Frage aus diesem ganzen gehabe herausgerissen.

„Bist du glücklich?“

Nein, ich bin nicht glücklich. Es war einmal wieder das übliche. Ich habe mich wiedereinmal selbst belogen. „Jawoll jawoll sie ist es!“ Und habe tagtäglich das ungute bauchgefühl in die Ecke geschoben.

Nein sie ist es nicht. Dafür sind wir zu unterschiedlich. Diese Unterschiede schaffen auch eine psychische Distanz zueinander.

Wie immer höre ich im Hinterkopf „Komm! Lass dir die Chance nicht entgehen!“

Doch diesmal ist es anders.

Nein. Es ist total gleich.

Deswegen ist es auch diesmal so einfach.

Es tut gut Nein zu sagen anstatt auf ein Ja zu hoffen.

Selbst wenn die Frage noch nicht gestellt wurde.

Jemand hat mir vor kurzem eine interessante Anekdote erzählt.

„Und das gequälte Gesicht lächelt.“

Masken. Wir tragen sie alle, jeden tag, rund um die Uhr. Wir verstecken uns meistens nicht vor unseren Mitmenschen, sondern vor uns selbst. Wir meiden jeden Spiegel und dröhnen uns mit Ablenkungen zu, damit wir uns nicht mit uns selbst beschäftigen müssen. Lösen die Probleme anderer, damit wir die unsere noch etwas länger liegen lassen können.  Wir flüchten nur vor uns selbst. Mehr nicht. Wenn wir jemanden belügen, belügen wir uns automatisch selbst. In uns allen steckt unsere eigene persönliche Wahrheit, die wir versuchen zu verschleiern. Weshalb? Weshalb flüchtern wir vor dem göttlichen in uns?

Ich hatte einige Schlüsselmomente in denen mir mein eigenes Versteckspiel aufgefallen ist. Mir wurden öfter Dinge wie „jedesmal wenn ich dich sehe, bist du am Lachen. Du hast immer gute Laune!“ gesagt. Das war der Tag an dem ich zum letzten mal so viel gelacht hatte. So UNNATÜRLICH viel. Lachen ist gesund, da stimme ich zu. Doch was ist mit geheucheltem, gequältem und unnatürlichen Lachen?

Eines anderen Tages als ich in einer art Melancholie versunken war und mir Gedanken über mich machte kam genau der gegensätzliche Spruch: „Du hast dein Lachen verloren. Wo ist es hin?“ Auch das hat mich wachgerüttelt.

Der Großteil sieht einfach nur das, was ich ihnen präsentiere. Zu bequem um durch diese Maske hindurchzublicken. Zu stark in ihre eigenen Lügen verstrickt, als dass sie die der anderen durchschauen könnten. Ihr wollt nur das sehen, was wir euch auftischen, der Rest ist euch egal. Es wäre zu viel Ehrlichkeit für euch. Zu viel um es handhaben zu können. Genau das trennt die Spreu vom Weizen. Genau dort kommen die wahren Freunde ins Spiel.

Das Leben ist ein einziger Maskenball. An alle die durch die Masken hindurchblicken:

Mein höchster Respekt! Vielen Dank an euch!

JD

PS: Danke an N. für deine Frage. Meine treue Schülerin. Du wirst ein großartiger Mensch werden. Lass den Hass hinter dir. Das hast du nicht nötig.

Sie fragte:

„Stehst du zu deinem Wort?“

Ich sagte:

„Würde es zu mir stehen?“

JD

Ich hab dich gern.

Deswegen werde ich wieder dorthin zurück gehen.

Deswegen werde ich vor den Treppen stehen.

Vor deinem „Thron“.

Hände in den Hosentaschen.

Verwelkte Blätter werden vom Wind um meine Füße herumgewirbelt.

Ich muss lächeln, wenn ich an damals denke.

Siehst du? Ich sage jetzt schon damals.

Ich werde dorthin gehen.

Weil ich mich entschuldigen wollte.

Es tut mir leid.

Ehrlich.

Ich werde dort stehen.

Ganz unten vor der ersten Stufe und Werde die Hand nach oben Strecken.

Ich habe dich dort hoch gehoben und jetzt will ich dich wieder zu uns holen.

Du wolltest nie ein Vorbild sein.

Du wolltest normal sein.

Gewöhnlich.

Gewohnheiten haben.

Ich streck dir die Hand entgegen.

Es wird Zeit, dass du das bekommst, was dir zusteht.

Du wirst die Hand nicht nehmen, das ist mir bewusst.

Und das sollst du auch nicht.

Du sollst nur sehen, dass hier unten noch Platz genug ist, im gegensatz zu dort oben.

Dort ist nicht dein Platz.

Ich will dir das geben, weswegen du hier bist.

Ich mag traurige geschichten.

Doch bei dieser hier.

Will ich dass es ein Happy End gibt.

Nein.

Kein Ende.

Es gibt „Happy“.

So werde ich nun dort stehen.

Am fuße der verrosteten und von den täglichen sbahn-Fahrern zerlaufenen Stufen.

Das einzige was an diesem Ort noch scheint, ist das künstliche Licht drumherum.

Achte auf meine Hand.

Lass dir den Weg zeigen.

Und dann lauf los.

Warte nicht auf mich, ich komme nach. Versprochen.

Lauf los!

Lauf!

J.D.

Das prasseln und knacken des Lagerfeuers wurde von den dröhnenden Bässen, elektronischer Musik und den heiteren Gesprächen der Feiernden Gäste völlig übertönt. Die wärme des Feuers und das fröhliche Gelächter schuf eine angenehm gemütliche Atmosphäre und man konnte an jedem einzelnen Gesicht ablesen wie wohl sich jeder hier an diesem Abend fühlte. Überraschend viele Leute hatten die Einladung dankend angenommen. Das vibrieren meines Handys riss mich aus der Unterhaltung mit Mif. „Oh man was ist denn jetzt schon wieder los.“ stöhnte ich und merkte, wie schwer mir jedes einzelne Wort auf der Zunge lag. Von wegen Alkohol lockert die Zunge. „1 Message received“ leuchtete mir eine Nachricht auf dem Display entgegen. Genervt öffnete ich die Mail und erstarrte, als ich den Absender sah. „…Wenn es eine fee gäbe, die mich ganz urplötzlich an der s-bahn haltestelle zaubern könnte, was würdest du tun?…“ Wegen meiner vom Alkohol betäubten Sinne benötigte ich mehrere Anläufe um den Sinn der Nachricht zu verstehen. Unmöglich! Sie kann unmöglich hier sein! Zitternd hielt ich Mif das Handy hin „Lies dir die SMS durch und sag mir was sie deiner Meinung nach bedeutet. Bitte.“ Ohne zu zögern nahm er mir das Telefon aus der Hand und kam meiner Bitte nach. „Naja.. Sie scheint an der S-bahn zu sein oder?“ Mit klopfendem Herzen wählte ich ihre Nummer und drückte auf den grünen Knopf.  „Ja.“ „Wo bist du?“ „An der S-bahn.“ „An der S-bahn?“ „An der S-bahn.“ Ich bin sofort da.“ Klick. Meine Gedanken veranstalteten ihr eigenes Wettrennen in meinem Kopf, dem ich nicht mehr zu folgen imstande war.  „Hey D. was is los? Musst du wen abholen?“ nahm ich irgendwo links eine Stimme wahr. Wie von der Tarantel gestochen sprang ich auf, brüllte demjenigen ein „Halt die Fresse!“ entgegen und stürzte gen Wald in einem Sprint auf den Usain Bolt stolz gewesen wäre. Die Welt links und rechts von mir verschwamm bei dem Tempo, welches ich an den Tag legte und ich sah nurnoch geradeaus klar. Ich fuhr Zug. Meine Sinne schienen aufs nötigste reduziert worden zu sein, da ich nicht mehr in der Lage war Geräusche oder die Schmerzen in meiner Brust wahrzunehmen. Alles was zählte war das Laufen. Lauf. Lauf. Lauf. Alleine ein erneutes Vibrieren in meiner Hosentasche drang durch diesen Schleier der Taubheit zu mir durch. Ich rupfte das Telefon heraus und überflog die neue Nachricht. „Lauf, der zauber zerfließt gleich. Ich muss gehen. Und komm allein:)Warte auf mich. Warte auf mich! flehte ich im Gedanken und trieb mich zu noch einem schnelleren Tempo an. Wie ein ungezähmter Hengst pflügte ich vorwärts und ließ den Wald hinter mir und gelangte auf die Steinbrücke. Obwohl mir irgendetwas in meinem Hinterkopf sagte, dass ich eigentlich langsamer werden und verschnaufen wollte, preschte ich weiter auf das nächste Waldstück zu. Nurnoch die Treppen. Nurnoch die Treppen und dann bin ich fast da! Weiter weiter immer weiter. Ohne auf die Trunkenbolde zu achten, die die Treppe mühselig erstiegen, sprang ich die alten brüchigen Treppen aufwärts, meinem Ziel entgegen. Und schließlich passierte was passieren musste. Mein linker Fuß blieb an einer Stufe hängen und jedweder Versuch, das Gleichgewicht zu halten, war bei diesem Affentempo zwecklos. Ich überschlug mich und schrammte mit meiner linken über den bröckligen Steinboden. Ein kurzer Blick auf die Hand. Blut. Das ist wohl der Blutzoll, den ich erbringen muss.Hey alles in Ordnung bei dir?“ hörte ich eine besorgte Stimme hinter mir. „VERPISS DICH!“ schrie ich zurück. Idioten! Ihr Maden habt doch keine Ahnung! Wütend rappelte ich mich auf und setzte zum Endspurt an. Die Bäume um mich herum glitten an mir vorbei und die Metallbrücke schien ich im Flug zu überqueren. Schließlich war ich am Ziel. Der Höllenritt hatte ein Ende. Schwer atmend lief ich die Treppen hinab zur Unterführung und links wieder die Treppen hoch zum Bahnsteig. Fieberhaft glitt mein Blick von Links nach rechts. Nichts. Sie war nicht da. Panisch zerrte ich mein Handy heraus und drückte die Wahlwiederholungstaste. „Ja.“ „Ich bin da.“ „Ich auch.“ „Wo?“ „Auf der Metalltreppe.“ „Vom Bahnsteig runter und links?“ „Ja.“ Klick. Erleichtert atmete ich durch und stieg langsam die Treppen zur Unterführung hinab. Unten bog ich nach links und näherte mich den besagten Stiegen. Und dort saß sie. Anmutig wie eine Königin thronte sie auf den Stiegen. Die Stufen schienen sich entschieden zu haben, der Göttin, die sie trugen nicht würdig genug zu sein und taten ihr bestes um schimmernd und strahlend zu wirken. Ich konnte das Grinsen nicht unterdrücken, das sich auf mein Gesicht drängte und erfüllt von Glück lächelte ich sie an. Belustigt warf sie mir ein vielsagendes Lächeln zurück. Und so setzte ich den linken Fuß auf die erste Stufe um die Stiegen des Himmels zu der Göttin meiner Welt zu erklimmen.

JD

Tag für tag geht es dahin. Es ist eine einzige Hetzjagd. Auf der Suche nach dem Feind hetze ich durch meterhohe Felder unbekannter Pflanzen. Nicht zu schnell, da er mich sonst hören könnte und ich den Überraschungsmoment verlorgen hätte. Nicht zu langsam, damit ich seine Fährte nicht aus den Augen verliere. Dabei Stehe ich doch direkt vor ihm. Tagtäglich. Ein Blick in den Spiegel würde genügen. Ich verfolge mich Selbst. Oder jedenfalls einen Teil meines Bewusstseins. Macht es mich zum Egoisten, dass ich mein Ego verfolge? Dass ich es festnageln und massakrieren will? Dass ich ihm all die Schuld meiner Sünden auferlegen will? Ein egoistischer Masochist der an seinem ausgeprägten Saddismus zu erkennen ist? Du hörst diese Stimme jetzt schon so lange und denkst noch immer, dass es die deine ist? Aufwachen Mister Green! Sein größter Schachzug war es, sie glauben zu lassen, er sei sie. Tagtäglich ramme ich ihm Holzpflöcke durch seinen Körper. Durch UNSEREN Körper. Tagtäglich nagle ich ihn fest. Und Tagtäglich erscheint er aufs neue. Dieser verdammte Bastard. Ich hasse Zensur.

Bis morgen.. Auf ein neues..

JD

In meinem üblichen gedankenverlorenem Zustand trotte ich die helle Marmortreppe empor. Die Düfte der Pflanzen auf den Stufen und Fensterbrettern sowie die angebliche positive Energie, die von der hellorange gestrichenen Wand ausgehen soll überlasse ich wie immer meinem Unterbewusstsein und gehe mit jedem Schritt auf der Treppe einen Schritt in Gedanken. Das erste was ich höre als ich die Tür zur oberen Wohnung öffne: Gerede. Natürlich. Der Fernseher läuft. Wie jeden Abend. Ich spähe wie jedes mal nur ganz kurz ins Wohnzimmer als ich daran vorbei in Richtung Küche gehe. Der schwarze Ledersessel verbringt diesmal ohne einen „Sitzer“ den Abend vor der Glotze. „Einer fehlt.“ Auch egal. Lange, sehr lange haben mich ihre Angelegenheiten nicht im geringsten interessiert. Ihre Freizeitbeschäftigungen (abends zu 90% vor der Mattscheibe sitzen.). Ihre Gespräche. Alles was sie betrifft nunmal. Ich hätte meine eigenen Probleme, habe ich mir immer vorgehalten. Natürlich. Ein sarkastisches Grinsen breitet sich über meinem Gesicht aus als ich diese Zeilen denke. Natürlich. Meine eigenen Probleme. Ich dachte ich hätte wichtigeres zu tun. Genau da liegt der Punkt. Ich DACHTE es. Doch eigentlich WUSSTE ich es besser. Während ich zum Kühlschrank schlurfte mit dem Ziel, für meinen heutigen Serienabend Fingerfood oder ähnliches zuzubereiten, lauschte ich dem Fernseher. Ich dachte, die deutsche Stimme von Catherine Zeta-Jones herauszuhören. Wie lange hatte ich schon keinen Film mehr mit den beiden geschaut? Einfach gemütlich zusammensitzen. Schweigen und dem Schauspiel auf der Scheibe folgen? Gemeinsam.. Energisch schüttelte ich den Kopf um den Gedanken wie eine lästige Fliege abzuschütteln. Ich hatte mich lang genug von den beiden distanziert gehabt und jetzt trifft mich das ganze natürlich umso heftiger. Jetzt, als ich gezwungen werde, mich mit ihnen auseinanderzusetzen. Jetzt, da ich ihre Probleme nicht mehr ignorieren kann. Egal, ich bin hungrig verdammt! Mit einer vagen Vorstellung im Kopf wie mein Film-Serien-Food aussehen lass ich die Strahlen der Mikrowelle das kalte Schnitzel aus dem Kühlschrank zum knistern bringen und werfe ein paar geschnittene Scheiben vom Baguette auf den Toaster. Wie ein Jagdhund der Gefahr wittert, spitze ich die Ohren als ich das verräterische Geräusch des Piepens höre, das ein Auflegen mit unserem Schnurlosen Telefon signalisiert. Sofort nehme ich Schutzhaltung ein. Rücken zur Küchentür, gespieltes Interesse am Kühlschrank. Eine Tür wird geschlossen. Der Holzboden knarzt unter dem Gewicht der Schritte. „Nein, bitte nicht. Warum hören ihre Telefonate immer dann auf, wenn ich mal oben in der Küche bin? Vielleicht geht sie ja gleich ins Wohnzimmer zum Film und zu ihm. Ja das tut sie bestimmt!“ Irrtum. „Aaah das Jüngste Kind.“ ertönt die zurzeit leider etwas matte Stimme meiner Mutter. Zum Glück zieht der Toaster meine Aufmerksamkeit auf sich. Ich drehe die kleinen Scheibchen um und drücke erneut den Hebel runter. „Schöne Grüße von deiner Schwester.“ beginnt sie erneut. Ich lass ein gemurmeltes Dankeschön über meine Lippen, wenn auch zögerlich und widme mich der piependen Mikrowelle, die mir sagt, dass das Schnitzel fertig gestrahlt ist. Erleichtert seufze ich auf, als sie keinen weiteren Versuch einer Konversation unternimmt und mich mit meinem Essen alleine lässt. Das Schauspiel im Fernsehen scheint jetzt wieder Interesse an meiner Aufmerksamkeit zu haben. Die Wörter Liebe und Bestimmung fallen. Sofort versuche ich mich in irgendeinen unwichtigen Nebengedanken zu stürzen, als mir ein Bild wieder vor Augen kommt. „Gerade beim Tatort ist ein Vater…“ Weiter kommt seine Stimme nicht. Die paar Wörter reichen schon. Vater. Ob er wohl auch Animes anschaun würde mit mir? Ich weiß, dass er es damals mit Pokémon versucht hat, aber es weder schaffte, Interesse aufzubauen noch den Namen richtig auszusprechen. „Pokamon“ hat er immer gesagt. Ich habe nie verstanden warum er das E immer mit einem A ersetzt hat. Mein Blick fällt auf die Tageszeitung. Ein kleines Bildchen von Harrison Ford erweckt mein Interesse. „Was würde er wohl zu Harry sagen?“ Es dauert nichtmal den Bruchteil einer Sekunde, als seine Stimme schon ertönt und ein Statement zu den Schauspielkünsten von Mister Ford abgibt. Der Stimme lauschend und alles andere um mich herum vergessend, schmier ich mir Majo, Senf und Ketchup als schlechten Fingerfood-Dressing-Ersatz auf den Teller, als mein Blick auf den eingelegten Knoblauch im Glas fällt. „Warum denn nicht? Der nächste Kuss wird eh noch seine Zeit dauern.“ Der Deckel klemmt also nehme ich mein T-shirt als hilfe um die Zehen unsere Frischluft mit ihrer würzigen Note bereichern zu lassen. Als ich mit der Gabel vier Zehen auf meinen Teller schaufle, trifft mich der Schlag. Der Geruch! Mich stört nicht, dass er schwer wieder aus der Nase zu bekommen ist. Was mich erstarren lässt, ist, dass ich ihn kenne! Undzwar verdammt gut! Tausende von Bildern schießen an meinem Inneren Auge vorbei, begleitet von Gesprächsfetzen und… Lachen. Dieses warme Sonnenscheinlachen. Natürlich. Er liebt Knoblauch. Er liebt Scharf. Natürlich. Ich lächle vor mich hin. Natürlich, jetzt macht alles Sinn. Er ist ja schließlich ein Feinschmecker. Und der Knoblauch riecht nach ihm. Der Knoblauch riecht nach Papa.

J.D.

„And its the stars that shine for you

and its the stars that lie to you.“

J.D.

Eigentlich weiß ich es doch schon.

Doch es widerfährt mir jedes mal aufs neue.

Es reicht schon, dass ich nur mit dir schreibe.

Schon beginnt alles sich zu verschieben.

Alle Möbelstücke in meinem Zimmer lösen sich vom Boden und werden in eine Richtung gezogen.

Alle Sternenbilder meines Universums werden neu angelegt.

Es gibt ein neues Zentrum.

Ich verliere den halt unter den Füßen und werde angezogen.

All meine Ordnung lasse ich dich mit Vergnügen vernichten.

Ich würde jedem Sternchen auf dem Weg zu dir die gleiche kleine Botschaft mitgeben.

„Ich liebe dich.“

Ich liebe dich so wie jeden einzelnen kleinen Stern des Universums.

Und das trifft es noch nicht einmal richtig.

Würde ich alle Sterne zusammenfassen zu einer Sonne, die nur durch meine Liebe zu dir zum Strahlen gebracht wird, würde sie glatt alles um dich herum zerschmelzen.

Du bist das schwarze Loch von dem ich mich gerne verschlucken lasse.

Du bist mein Zentrum.

(Zeitweise.)

Das Alpha und das Omega.

Alles.

Einfach alles!

Ich frage mich ob mir jemals die vergleiche für dich ausgehen werden.

Meine Gefühle werden es nicht.

Niemals.

Du weißt es doch.

In Liebe.

J.D.

Wir alle sind kreativ.

Wir alle haben dieses schöpferische Gen.

Egal wie wir Leben.

Egal wo wir Leben.

Obwohl wir in einem festen Universum Leben.

Wir bauen uns doch unser eigenes Haus.

Gründen unsere eigene Familie.

Schreiben unsere eigenen Geschichten.

Erfinden Türen in unsere eigene Welt.

Unser eigenes Universum.

Das ist unser Leben.

Es fängt alles mit einem Kreis an.

Der Grundriss.

Innerhalb dieser Vorlage verteilen wir nach und nach unsere Sterne.

Wertvolle kleine Punkte die immer für uns scheinen.

Sie werden nicht sinnfrei umhergeschleudert.

Nein.

Wir fügen sie zu einem Muster.

Und noch einem.

Und noch einem.

Und noch einem.

Was entsteht ist ein System.

Ein Sternenhimmel bestehend aus unzähligen Sternenbildern, widerum bestehend aus einzelnen, funkelnden Sternchen.

Probespaziergang.

Unser eigenes Firmament.

Wir lesen nur die Positionen der einzelnen Bilder und wissen wo wir stehen.

Wohin wir gehen können.

Und dann und wann geschieht es, dass ein größerer und noch gleißender Stern erscheint.

Farblich ganz und gar nicht ähnlich den anderen Sternen.

Wir haben einen Teil unser Selbst auf einen dieser kleinen Leuchtkörper gelassen.

Und prompt wächst und gedeiht dieser.

Unsere Sterne und Planeten begleiten uns ständig.

Kreisen um uns herum Tag für Tag.

In ihren festgelegten Bahnen.

Wir schaffen uns unseren eigenen Kosmos.

Unser eigenes Universum.

Doch wie jede unser Eigenschaften, hat auch das Schöpferische Grenzen.

Erinnert ihr euch an den Kreis?

Innerhalb haben wir gewütet und geschaffen.

Einfach unserer Phantasie freien Lauf gelassen.

Ausserhalb ist alles noch immer schwarz und unberührt.

Weshalb?

Selbst der schönste Turm, sei er noch so stabil, stürzt ab irgendeiner Höhe ein.

Wir haben unser endliches System, welches tadellos funktioniert und floriert.

Doch was, wenn ein Stern verglüht?

Das Sternenbild ist nun nichtmehr komplett.

Der große Wagen ist nun kein großer Wagen mehr.

Natürlich könnten wir nun einen anderen Stern schnell schaffen und ihn als Ersatz benutzen.

Aber Orangensaft ist nunmal kein Orangensaft ohne Orangen.

Okay wir könnten einen Multivitaminsaft daraus machen.

Klar.Sicher. Er ist schon lecker.

Aber er ist nunmal kein Orangensaft.

Sondern nur Multivitamin.

Und existiert der große Wagen erst einmal nichtmehr, so entsteht eine Lücke im System.

Orientierungsprobleme entstehen.

Dem Bauklötzchenturm wurde ein Klötzchen entwendet.

Er beginnt zu wanken.

Die Stabilität lässt nach.

Unsicherheit macht sich breit.

Wie lange kann das System noch aufrecht erhalten werden?

Es muss umdisponiert werden.

Veränderungen und Eingeständnisse sind nötig.

Wir ziehen uns zurück.

Das Universum wird verkleinert.

Aber stabilisiert.

Es gibt Momente da wackelt unser Universum.

Es scheppert und kracht überall.

Ärger ist vorprogrammiert.

Chaos sowieso.

Wir haben Angst unsere Ordnung zu verlieren.

Unsere leuchtenden Sterne und Planeten.

Doch wir dürfen eines nicht vergessen.

Jedes Universum hat (mindestens) ein Sonnensystem.

Und jedes Sonnensystem benötigt eine Sonne.

Wenn wir nicht bereit sind für unsere Sterne zu scheinen, ganz gleich wie hart und stürmisch die Zeiten sein mögen,  sind sie und wir dem Untergang geweiht.

Es sind die Sterne die an unserem Himmel leuchten.

Unsere Himmelskörper.

Aber vergesst niemals.

Wir sind die Sonne für jeden dieser einzelnen Sterne.

Für jeden Planeten.

Wir sind das Zentrum um das sie kreisen können.

Wir sind der Dreh- und Angelpunkt all dieser kleinen Körper.

Wir sind uns gegenseitig unsere Sonnen.

Jeder unserer Sterne ist eigentlich eine Sonne.

Nur die Entfernung zu uns macht sie zu Sternen.

J.